Hohe Qualität der ombudschaftlichen Arbeit in Sachsen – Evaluationen bestätigen die Arbeit des Kinder- und Jugendhilferechtsverein e.V.

Evaluation

Zwischen März 2015 und Februar 2017 haben zwei unabhängig voneinander arbeitende Studierendengruppen der Hochschule Mittweida und der Evangelischen Hochschule Dresden die Arbeit des Kinder- und Jugendhilferechtsverein e.V. untersucht. Dabei wurden auf der einen Seite Akten von 189 Beratungsanfragen analysiert. Auf der anderen Seite wurden durch die Forscher_innen Interviews mit Ratsuchenden geführt, deren Beratung bereits abgeschlossen war.


In der Aktenanalyse wird deutlich, dass vor allem Eltern, und hier vor allem Mütter, die Beratung der Ombudstelle nutzen. Aber auch 13 Jugendlichen wandten sich an die Ombudstelle. An zweiter Stelle der Inanspruchnahme stehen Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe. In über 100 Fällen ging es um Konflikte mit dem Jugendamt, an zweiter Stelle folgen Konflikte mit Einrichtungen und Trägern. In den allermeisten Fällen ging es um Konflikte rund um die Heimerziehung, an zweiter Stelle folgen Konflikte in Zusammenhang mit der sogenannten „Eingliederungshilfe“ (§35a SGB VIII).

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Fortbildungsreihe startet: "Qualifizierung: Beratung und Beteiligung in der Kinder- und Jugendhilfe"

Weltcafe schreiben 2Wir starten eine Reihe von einzelnen Seminaren zu den Themen Beratung und Beteiligung in der Kinder- und Jugendhilfe. Wir machen damit Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe, Studierenden und den ehrenamtlichen Berater_innen des Kinder- und Jugendhilferechtsverein e.V. ein Angebot, sich substantiell mit den zentralen Themen Beratung und Beteiligung in der Kinder- und Jugendhilfe auseinanderzusetzen.

Rahmentext: Die Kinder- und Jugendhilfe ist ein Ort, der von Konflikten durchzogen ist: Zwischen Ratsuchenden und freien Trägern, zwischen Jugendamt und Hilfesuchenden. Verschiedene Interessen treffen hier aufeinander und nicht immer gelingt es, Hilfeprozesse so zu gestalten, dass alle diese Interessen zufriedenstellend im Hilfesetting abgebildet werden können. Eine lebensweltorientierte Jugendhilfe ist aber aufgerufen, über Beteiligung und Alltagsorientierung Hilfeprozesse zu gestalten, die auf Integration und Koproduktion ausgerichtet sind. Diese Seminarreihe nimmt Erfahrungen aus der Praxis auf und fragt danach, wie es gelingen kann, Jugendhilfe so zu gestalten, dass Beratungsprozesse beteiligungsorientiert aufgebaut werden können.

In insgesamt sechs Veranstaltungen, die auch jeweils einzeln besucht werden können, sollen folgende Themen besprochen werden:

Beratungsstrategien mit hoch belasteten Ratsuchenden
14. November 2016, Referent_in: Dr. Birgit Helfmann

Beteiligungsrechte von Kindern und Jugendlichen in der Erziehungshilfe
28. November 2016, Referent: Prof. Dr. Wolfgang Deichsel

Standards der Hilfeplanung und Rolle des Jugendamtes in der Erziehungshilfe
09. Januar 2017, Referentin Prof. Dr. Barbara Wolf

Die Kinder- und Jugendhilfe trifft auf Umgangs- und Sorgerecht
6. März 2017, Referent: Volkmar Kuhn, Richter in einem Familiensenat am Oberlandesgericht Dresden

Kommunikation und Partizipation - Bessere Wege der Verständigung
03. April 2017, Referent: Wolfgang Rosenkötter, Sozialwissenschaftler und langjähriger Ombudsmann in "Bethel im Norden"

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Fachtag und Ausstellungseröffnung: Heimerziehung in der DDR - 27.09.16 - EHS Dresden

Fachveranstaltuing Heimerziehung in der DDRHERZLICHE EINLADUNG!

am 27. September 2016 von 16-20 Uhr
an der Evangelischen Hochschule Dresden (Dürerstraße 25, 01307 Dresden)

Fachtag „Heimerziehung in der DDR und die besondere Rolle des Geschlossenen Jugendwerkhofes Torgau“

Leistungen der Jugendhilfe sind für immer mehr junge Menschen in Deutschland zu einem zentralen Faktor für gelingendes Aufwachsen geworden. 2014 nahmen mehr als eine Millionen Mädchen, Jungen und deren Familien Hilfen zur Erziehung in Anspruch. 112.773 Mädchen und Jungen erlebten Hilfen in der Heimerziehung (Fendrich/Tabel: 2016). Welche Bedeutung dabei die Qualität der Heimerziehung für die Lebensqualität und die Zukunftsperspektiven hat, belegen die Aufarbeitung von Gewalt und Missbrauch in Einrichtungen der Jugendhilfe in West- wie Ostdeutschland sowie die Skandale um die Geschlossene Unterbringung. Zahlreiche Einzelbeispiele werden auch den Berater/-innen des Kinder- und Jugendhilferechts bekannt.

Vor diesem Hintergrund wollen wir mit dieser Veranstaltung und der Ausstellung einerseits eine Beschäftigung mit der Geschichte der Jugendhilfe in der DDR anregen. Andererseits möchten wir damit aber auch eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit repressiver Sozialpädagogik – strukturell, sowie auf die konkreten pädagogischen Konzepte und ihre Realisierung bezogen – anregen.

Alexander Müller hat die Heimerziehung in der DDR insbesondere in Jugendwerkhöfen erlebt. Zweimal war er in den 80er Jahren in der Einrichtung in Torgau eingewiesen worden. Seit den 1990er Jahren ist er in bürgerrechtlichen Gruppen aktiv und engagiert sich in der „Initiativgruppe Geschlossener Jugendwerkhof Torgau“.

In der von der Gruppe initiierten Ausstellung wird die Geschichte und die ‚pädagogische Praxis‘ dieser Einrichtung in Torgau dargestellt. Die Ausstellung wird nach der Eröffnungsveranstaltung bis zum 15.10.2016 in der Evangelischen Hochschule Dresden auf der Dürerstraße 25 zu sehen sein.

Die gemeinsamen Veranstalter sind: AKS Dresden – Deutscher Kinderschutzbund Landesverband Sachsen e.V. – Evangelische Hochschule Dresden – Kinder- und Jugendhilferechtsverein e.V.

Wir laden Sie herzlich ein und freuen uns auf Ihre Teilnahme. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.

PROGRAMM

Bundesweit gültige Maßstäbe für die Hilfeplanung

Startseite Empfehlungen BAGLJÄ zu HPDie BAG Landesjugendämter verabschiedet bundesweite Empfehlungen für die Hilfeplanung
Familien haben einen Anspruch darauf, in den Jugendämtern bundesweit eine fachlich vergleichbare Beratungspraxis in der Hilfeplanung vorzufinden. Mit den Empfehlungen "Qualitätsmaßstäbe und Gelingensfaktoren für die Hilfeplanung gemäß § 36 SGB VIII" [1.140 KB] gibt es erstmals seit dem Inkrafttreten des Kinder- und Jugendhilfegesetzes vor 25 Jahren bundesweit gültige Maßstäbe.

 

Aus dem Inhalt:

Was ist Hilfeplanung? // Beteiligung der Eltern und Kinder an der Hilfeplanung // Wer ist verantwortlich für die Hilfeplanung // Hilfeplanung bei stationärer Unterbringung // Hilfeplanung bei § 35a SGB VIII // Hilfeplanung bei jungen Volljährigen // Hilfeplanung mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen // u.v.a.m.

Jugendhilfe im Kino: Film-Preview und Diskussion zum Spielfilm "Freistatt" am 16. Juni 2015 um 18 Uhr in der ehs Dresden

Fachöffentliche Preview mit Diskussion um Hilfen zur Erzeihung in Würde und Freiheit

 

PostkarteFreistattkleinDer deutsche Spielfilm „Freistatt“ startet am 25. Juni 2015 im Kino und handelt von erniedrigender und gewalttätiger “Erziehung” in westdeutschen Heimen der 1960er und 1970er Jahre.  Über die Figur Wolfgang, dessen historisches Vorbild Wolfgang Rosenkötter ist, werden die Verhältnisse exemplarisch am Fürsorgeheim der Diakonie im niedersächsischen Freistatt  gezeigt. Wolfgang gelingt es, zu flüchten. Es ist ein bewegender Film, der Wolfgang in seinem Kampf gegen ein Erziehungssystem der Unterdrückung und Gewalt begleitet.  Der Film hat den Deutscher Drehbuchpreis 2013 und den Emder Drehbuchpreis 2012 bekommen.

Der Film wird in einer fachöffentlichen Preview in der Evangelischen Hochschule Dresden gemeinsam mit dem Protagonisten Wolfgang Rosenkötter gezeigt. Es bieten sich Möglichkeiten, mit Wolfgang Rosenkötter zu seinen Erlebnissen in Freistatt ins Gespräch zu kommen. Anschließend wollen wir mit Kolleg_innen diskutieren: "Was sagt uns die Geschichte von Wolfgang für die Praxis der Jugendhilfe heute?". In Zeiten, in denen hochspezialisierte und geschlossene Formen von Heimerziehung wieder auf dem Vormarsch sind, wollen wir (auch vor dem Hintergrund des Positionspapiers "Hilfe zur Erziehung in Würde und Freiheit – Gegen geschlossene Unterbringung in Sachsen") über Gewalt und Machtmissbrauch auf der einen Seite und Beteiligung und Beschwerde auf der anderen Seite diskutieren.

Dazu laden wir herzlich ein. Der Eintritt ist kostenfrei.
16. Juni 2015 um 18 Uhr
Evangelische Hochschule Dresden, Dürerstraße 25, 01307 Dresden
kleiner Hörsaal

Eine gemeinsame Veranstaltung von:
Freundeskreis der ehs Dresden e.V., Deutscher Kinderschutzbund LV Sachsen e.V., Der PARITÄTISCHE Sachsen, DIAKONIE Sachsen, Diakonisches Werk - Stadtmission Dresden e.V. und Kinder- und Jugendhilferechtsverein e.V.

 

Der Trailer zum Film

 

Informationen für Fachkräfte

Was heißt Ombudschaft?

Jeder junge Mensch hat nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) das Recht auf die Förderung seiner Entwicklung. Jugendhilfe hat den gesetzlichen Auftrag zur Verwirklichung dieses Rechts beizutragen, denn manchmal gibt es Situationen in denen junge Menschen Unterstützung brauchen. Junge Menschen und auch Eltern haben dabei auch ein Recht darauf sich zu äußern, mitzureden und mitzuentscheiden bei der Frage, was sie in ihren individuellen Lebenssituation brauchen und wollen. Leider kommt es immer wieder vor, dass notwendige Hilfen vom Jugendamt nicht gewährt oder ausreichend erklärt werden oder, dass junge Menschen nicht wirklich mitentscheiden können. Betroffenen ist es oft nicht möglich, Entscheidungen zu überprüfen und allein die notwendigen Schritte zur Verwirklichung ihrer Rechte einzuleiten. Dafür braucht es eine unabhängige Stelle an die sich vor allem junge Menschen, Eltern aber auch Fachkräfte wenden können. Eine solche Stelle ist der Kinder- und Jugendhilferechtsverein e.V.

In unserer Ombudsstelle beraten wir Kinder, Jugendliche, Eltern und auch Fachkräfte. Es kommt immer wieder vor, dass:

  • teils Recht gebrochen wird (wenn z.B. über 18jährige grundsätzlich keine Hilfen bekommen)
  • teils Recht gebeugt wird (wenn z.B. dreimonatige Beratungen vor Einleitung einer Hilfe vorgeschrieben werden)
  • teils abschlägige Entscheidungen schlecht erklärt werden.

Darüber hinaus sind die Verfahren der Hilfeplanung und -gestaltung manchmal nicht fachgerecht und sachgerecht durchgeführt mit Folgen für die Betroffenen: Jugendlichen wird ihr Wunsch- und Wahlrecht nicht gewährt, sie werden im Hilfeplanverfahren nicht wirklich beteiligt oder es werden keine Hilfeplangespräche mehr durchgeführt. Einzelne Kinder und Jugendliche werden gegen ihren Willen in geschlossenen Einrichtungen der Jugendhilfe untergebracht.
Immer häufiger werden fachlich unsinnige oder fehlerhafte Entscheidungen getroffen mit Blick auf die Kosten: Da werden Familienhilfen mit nur wenigen Stunden pro Woche gewährt, mit denen sich eine nachhaltige Arbeit nicht gestalten lässt. Es werden Drohungen ausgesprochen, das Familiengericht anzurufen, ohne den Familien gleichzeitig angemessene und akzeptable Hilfen anzubieten. Hilfen für Jugendliche werden abrupt beendet und die betroffenen Mädchen und Jungen auf die Straße entlassen.


Ombudsstellen als Agenturen individuelle Ermächtigung

Um Kinder, Jugendliche und ihre Familien angesichts solcher Entwicklungen „ins Recht zu setzen“ oder ihnen dabei zur Seite zu stehen, sind in der BRD mittlerweile an vielen Orten Ombudsstellen gegründet worden. Diesen Initiativen, die zum großen Teil ehrenamtlich arbeiten, geht es um die Aufklärung in Verfahren zwischen Jugendamt und Adressat/-innen, um die Sicherstellung der Partizipation der Betroffenen und im Bedarfsfalle, um die Stärkung der Leistungsberechtigten bei dem geltend machen von Bedarfen und Rechten, letztlich auch um die Unterstützung im Widerstand gegen Entscheidungen des Jugendamtes. Die Arbeit der Ombudsstellen wird von Fachkräften aus der Jugendhilfe getragen, die meist sehr erfahren sind und ehrenamtlich arbeiten.
Die Arbeit der Ombudschaftsstellen findet statt in einem Spannungsfeld zwischen fachlichen Fehlern der Jugendämter, fehlenden Kenntnissen der Leistungsberechtigten, unzureichenden Fähigkeiten der Betroffenen zur Artikulation ihrer Bedürfnisse (Machtasymmetrie) sowie fehlender Durchsetzungskraft der Betroffenen. Zunehmend haben die Ombudschaftsstellen mit rechtswidrigen Dienstanweisungen in den Jugendämtern zu tun, die durch Sparanstrengungen und/oder katastrophale Personalsituationen ausgelöst werden. Nicht erst seit den Brandbriefen aus vielen Jugendämtern ob der Arbeitsbelastungen, nicht erst seit fachpolitischen Positionierungen führender Sozialwissenschaftler/-innen und nicht erst seit dem Bundeskinderschutzgesetz ist Ombudschaft in der Jugendhilfe ist ein Thema.

 

Wie beraten wir?

Wir beraten direkt, d.h. es wird nicht über Adressat_innen beraten, sondern ausschließlich mit ihnen. Es ist aus unserer Sicht nötig, dass die Betroffenen an den Beratungen teilnehmen. Selbstverständlich beraten wir Sie aber gern grundsätzlich zu den Rechten der Betroffenen. Vereinbaren Sie dazu einen Termin mit uns.